Rückspülen (Backflush) erklärt: Welche Maschinen es können, wie es geht – und die 5 häufigsten Fehler

Rückspülen beim Siebträger

So reinigst du die Brühgruppe richtig – und wann du es NICHT machen darfst

Rückspülen (Backflushing) ist so ein Thema, bei dem viele denken:
„Ach, wird schon passen“ – und genau so entstehen die beiden Klassiker:

  1. Espresso schmeckt bitter/ranzig, obwohl Bohnen & Rezept gleich sind.

  2. Oder schlimmer: Maschine kann’s gar nicht, und man quält sie mit Blindfilter trotzdem.

Hier kommt die klare, sichere Version: Was Rückspülen ist, warum es wichtig ist, wie du es machst – und wie du erkennst, ob deine Maschine das überhaupt darf.


1) Was ist Rückspülen überhaupt?

Beim Rückspülen setzt du einen Blindfilter (ohne Löcher) in den Siebträger ein. Dadurch kann kein Wasser nach vorne raus – der Druck baut sich kurz auf, und beim „Entlasten“ wird Wasser (oder Reinigungsmittel) rückwärts durch Teile der Brühgruppe gespült.

Ziel: Kaffeefette und Ablagerungen entfernen – genau die Sachen, die mit der Zeit:

  • bitter/ranzig schmecken,

  • Ventile verkleben,

  • und die Hygiene killen.

Wichtig: Rückspülen ist Reinigung (Kaffeefette), nicht Entkalken (Mineralien).


2) Warum manche Maschinen rückspülen können – und manche nicht

Der entscheidende Punkt: Es braucht einen „Abflussweg“ für den Druck

Damit Rückspülen funktioniert, muss die Maschine den Druck nach dem Stopp gezielt ablassen können – und zwar in die Abtropfschale.

Das passiert je nach Bauart über:

A) 3-Wege-Magnetventil (Three-Way Solenoid)

Das ist ein elektrisch gesteuertes Ventil (Magnetventil), das nach dem Bezug öffnet und:

  • Druck aus der Brühgruppe ablässt

  • Wasser in die Abtropfschale leitet

Ohne diesen Druckablass wird Rückspülen mit Blindfilter schnell zur schlechten Idee.

B) E61-Brühgruppe (mechanisches Ablassventil)

Viele E61-Maschinen können ebenfalls rückspülen, weil die Gruppe konstruktiv einen Ablauf/Entlastungsweg hat, wenn du den Hebel senkst.

C) Maschinen ohne 3-Wege-Ventil / ohne passenden Ablassweg

Bei manchen Geräten gibt es diesen Weg nicht (oder nicht so, dass Rückspülen sinnvoll/sicher ist). Dann gilt:

Reinigen ja – aber nicht per Blindfilter-Backflush.
Du machst dann andere Reinigungswege (gleich unten).

D) Handhebel/Lever-Maschinen

Bei klassischen Handhebeln (z. B. viele La Pavoni) ist „klassisches Rückspülen“ meist nicht erforderlich – und bei manchen Lever-Konzepten kann Blindfilter-Backflush sogar zu einem Druck-/Lock-Problem führen.


3) Schnelltest: Kann meine Maschine rückspülen?

Wenn du unsicher bist, hilft diese Mini-Checkliste:

✅ Sehr wahrscheinlich rückspülbar, wenn:

  • Nach dem Bezug hörst du ein kurzes Zischen/Entlasten

  • Es läuft danach ein bisschen Wasser in die Abtropfschale

  • Der Kaffeepuck ist relativ trocken und der Siebträger lässt sich direkt lösen

  • In deinem Zubehör war ein Blindfilter/Backflush-Disc dabei oder es steht im Handbuch

❌ Vorsicht / eher nicht rückspülen, wenn:

  • Nach dem Bezug bleibt Druck „stehen“ (Portafilter schwer/gefährlich zu lösen)

  • Kein Wasser wird nach dem Stoppen in die Abtropfschale entlastet

  • Hersteller/Handbuch erwähnt Rückspülen nicht oder rät davon ab

Merksatz:
👉 Rückspülen geht nur, wenn die Maschine den Druck nach dem Stoppen kontrolliert loswird.


4) Rückspülen mit Wasser (Quick-Routine)

Das ist die „leichte“ Version und für viele Setups ein guter Standard.

So geht’s:

  1. Maschine warm

  2. Blindfilter einsetzen

  3. 5–10 Sekunden Bezug starten

  4. Stoppen / Hebel senken

  5. Das 5–8 Mal wiederholen

Damit spülst du schon viel weg, was sich frisch ablagert.


5) Rückspülen mit Reiniger (die gründliche Reinigung)

Das ist die Version, die alte Kaffeefette wirklich löst.

So geht’s (Standardablauf):

  1. Blindfilter einsetzen

  2. Eine kleine Menge Brühgruppenreiniger in den Blindfilter

  3. Bezug starten (10–20 Sekunden)

  4. Stoppen / entlasten lassen

  5. Mehrmals wiederholen, bis der Schaum/Abfluss deutlich sauberer wird

  6. Danach: Blindfilter raus, gründlich mit Wasser nachspülen (mehrere Zyklen ohne Reiniger)

Ganz wichtig:
Am Ende so lange mit klarem Wasser spülen, bis du sicher bist, dass keine Reinigerreste mehr durch die Gruppe laufen.


6) Wie oft sollte man rückspülen?

Das hängt stark davon ab:

  • wie viele Bezüge du machst,

  • ob du dunkle/ölige Röstungen nutzt,

  • und wie pingelig du beim Geschmack bist.

Eine pragmatische Home-Barista-Logik:

  • Wasser-Backflush: regelmäßig (z. B. wöchentlich oder nach Nutzungspaketen)

  • Mit Reiniger: in sinnvollen Abständen (z. B. alle paar Wochen oder nach einer bestimmten Anzahl Bezüge)

Wenn dein Espresso plötzlich „bitter/ranzig“ wirkt, ist Rückspülen mit Reiniger oft der schnellste Gamechanger.


7) Was tun, wenn deine Maschine NICHT rückspülbar ist?

Dann machst du stattdessen das hier (auch effektiv, nur anders):

  • Brühgruppe nach dem Bezug kurz ausspülen (Leerbezug)

  • Duschsieb und Dichtung regelmäßig reinigen (je nach Maschine abschraubbar)

  • Siebträger & Siebe in Kaffeefettlöser einweichen (Griff trocken lassen)

  • Regelmäßig bürsten (Gruppenbürste)

Und: Handbuch checken – manche Hersteller haben eigene Reinigungsprogramme, die nicht „Blindfilter-Backflush“ heißen, aber ähnlich gedacht sind.


8) Die häufigsten Fehler (die du dir sparen kannst)

  1. Blindfilter rein und Vollgas, ohne zu wissen, ob die Maschine Druck sauber entlastet

  2. Zu viel Reiniger (mehr ist nicht besser – nur nerviger auszuspülen)

  3. Zu selten klar nachspülen (Reinigerreste = Geschmackskiller)

  4. Rückspülen, aber Duschsieb/Dichtung nie anfassen (da sitzt oft der Dreck)

  5. „Entkalken und Rückspülen ist doch das gleiche“ → nein, ist es nicht


Fazit

Rückspülen ist kein Ritual für Nerds – es ist Geschmackspflege und Ventilpflege.
Aber: Nur machen, wenn die Maschine dafür gebaut ist (3-Wege-Ventil oder E61-Ablassweg). Wenn nicht: gibt’s sichere Alternativen.

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