Espressomaschine entkalken
Wann es nötig ist, wie es richtig geht – und welche Fehler teuer werden
Entkalken ist beim Siebträger ein Thema, bei dem sich zwei Lager regelmäßig ankeifen:
„Nie entkalken, nur gutes Wasser!“ vs. „Ich kipp da einmal im Monat Essig rein, passt schon!“
Die Wahrheit ist weniger dramatisch – aber ziemlich klar:
✅ Entkalken ist sinnvoll – aber nur richtig, passend zu Wasser & Maschine.
❌ Falsch entkalken kann Schäden verursachen (und richtig nervige Folgeschäden auch).
Damit du’s entspannt und sauber lösen kannst, kommt hier die Anleitung ohne Mythen.
1) Erstmal wichtig: Reinigen ≠ Entkalken
Viele werfen das in einen Topf – dabei sind es zwei komplett verschiedene Baustellen.
Reinigen (Kaffeefette)
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betrifft Brühgruppe, Duschsieb, Siebträger, Magnetventil-/Ablaufbereiche
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Ziel: ranzige Kaffeefette und Ablagerungen raus
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Effekt: Espresso schmeckt wieder sauber statt bitter/ranzig
Entkalken (Mineralien aus Wasser)
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betrifft Boiler, Leitungen, Ventile, Heißwasser/Steam-Kreislauf
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Ziel: Kalkablagerungen reduzieren, bevor sie Probleme machen
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Effekt: weniger Störungen, weniger Reparaturrisiko, stabilere Funktion
Merksatz:
👉 Bitter/ranzig = oft Reinigung.
👉 Leistung/Flow/Heißwasser zickt = oft Kalk.
2) Woran erkenne ich, dass Entkalken überhaupt ein Thema ist?
Typische Hinweise (nicht jeder Punkt muss zutreffen):
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Heißwasser/Steam wird schwächer oder ungleichmäßig
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Maschine braucht länger zum Aufheizen oder wirkt „träge“
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Du siehst Kalk im Wasserkocher sehr schnell (guter Indikator fürs Leitungswasser)
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Geräusche verändern sich (Pumpe arbeitet „härter“)
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Espresso wird „komisch“ trotz gleicher Bohnen & Einstellung (nicht immer, aber möglich)
Und ganz ehrlich: Der größte Faktor ist Wasserhärte. Wenn dein Wasser hart ist, ist Kalk nicht „vielleicht“, sondern „wann“.
3) Das Wichtigste: Nicht jede Maschine will gleich entkalkt werden
Bei Siebträgern gilt: Herstelleranleitung schlägt Internet-Tipps.
Warum? Weil sich Konstruktionen unterscheiden (Boiler-Material, Ventile, Kreisläufe, Dichtungen).
Ein wichtiger Punkt, den viele nicht wissen:
👉 Bei stark verkalkten Maschinen kann „einfach entkalken“ riskant sein, weil sich Kalkbrocken lösen und Ventile/Manometer/Leitungen verstopfen können. Dann ist nicht „der Entkalker schlecht“, sondern die Situation war schon zu weit.
Deshalb: prophylaktisch = gut. „Rettungsaktion bei Totalkalk“ = eher Werkstattfall.
4) Die goldenen Regeln, bevor du überhaupt startest
✅ Regel 1: Kein Küchen-Experiment (Essig ist keine gute Idee)
Essig kann Geruch/Geschmack hinterlassen und ist nicht dafür gebaut, maschinenschonend zu wirken. Nimm lieber maschinengeeignete Entkalker oder genau das, was der Hersteller empfiehlt.
✅ Regel 2: Immer exakt dosieren
Mehr hilft nicht mehr. Zu aggressiv oder zu konzentriert kann Dichtungen und Metallteile stressen.
✅ Regel 3: Danach richtig spülen
Entkalken ohne gründliches Spülen ist wie Zähneputzen ohne ausspucken.
Heißt: Mehrere Tankfüllungen (oder mehrere große Spülzyklen) – bis du sicher bist, dass nichts mehr drin ist.
5) Schritt-für-Schritt: Prophylaktisch entkalken (Tank-Siebträger)
Das ist der sichere Ablauf, der bei vielen Tankmaschinen als Grundprinzip passt – trotzdem gilt: bitte immer das Manual deiner Maschine beachten.
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Entkalker nach Anleitung ansetzen (nicht freestyle)
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Maschine einschalten / Lösung in den Tank
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Lösung durch Brühgruppe und Heißwasser/Steam-Kreislauf ziehen, damit sie überall ankommt
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Einwirken lassen (nicht hetzen)
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Lösung ablassen
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Tank ausspülen, frisches Wasser rein
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Mehrfach spülen: durch Brühgruppe + Heißwasser/Steam, bis wirklich alles raus ist
Wenn du einen E61-Hebel hast: ruhig, sauber arbeiten – das System reagiert nicht auf Hektik.
6) Wie oft entkalken? (ehrliche Antwort)
Es gibt keine magische Zahl, die für alle stimmt. Es hängt ab von:
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Wasserhärte
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wie viel du beziehst
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ob du Filter nutzt (Tankfilter/Pad/Kartusche)
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und wie lange Wasser im Tank steht
Ganz pragmatisch:
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Weiches Wasser + Filter + normale Nutzung → deutlich seltener nötig
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Hartes Wasser → öfter bzw. Filter dringend sinnvoll
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Wenn du Kalk im Wasserkocher schnell siehst → geh davon aus, dass Kalk auch bei der Maschine ein Thema ist
Wenn du willst, kannst du im Artikel eine kleine Entscheidungshilfe einbauen:
„Wenn dein Wasser eher hart ist, lohnt sich ein Filter im Tank – das reduziert Kalk und verschiebt Entkalken deutlich nach hinten.“
7) Super wichtig: Brühgruppe reinigen ist nicht Entkalken (aber fast wichtiger für Geschmack)
Viele entkalken wie Weltmeister und wundern sich, warum der Espresso bitter bleibt.
Dann ist die Ursache oft: Kaffeefett & Dreck an der Brühgruppe.
Faustregel für viele E61-Maschinen (Hausgebrauch):
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Wasser-Rückspülen regelmäßig (z. B. wöchentlich oder nach Nutzung)
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Mit Reinigungsmittel nicht übertreiben – eher in sinnvollen Abständen (z. B. nach einer gewissen Anzahl Bezüge)
Und ja: Das ist der Teil, der am Ende den Geschmack oft am schnellsten „rettet“.
8) Die 5 teuersten Fehler (bitte vermeiden)
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Essig/irgendwas aus der Küche verwenden
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Zu stark dosieren („viel hilft viel“)
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Zu kurz spülen (Reste bleiben → Geschmack & Material leiden)
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Eine stark verkalkte Maschine „auf eigene Faust“ entkalken
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Filter drin = nie wieder irgendwas machen (Filter helfen, aber sind kein Freifahrtschein)
Fazit
Entkalken ist kein Hexenwerk – aber es lohnt sich, es richtig zu machen:
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passend zur Maschine
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passend zum Wasser
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ohne Küchenchemie
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und mit gründlichem Spülen
Wenn du das einmal sauber etablierst, hast du weniger Stress, besseren Geschmack und deutlich weniger Risiko für teure Reparaturen.