Dosis Verhältnis Zeit und Temperatur

So gelingt dir Espresso am Siebträger ganz entspannt

Ciao und willkommen im schönsten Teil des Tages. Espresso.
Wenn du einen Siebträger hast, kennst du das vielleicht: Mal ist der Espresso genial, mal schmeckt er spitz, mal trocken, mal irgendwie daneben. Und du fragst dich, ob du etwas falsch machst.

Die gute Nachricht: Du musst kein Profi sein. Du brauchst nur ein kleines, simples System. Dann wird Espresso plötzlich planbar. Wie in einer guten Bar in Italien, nur eben bei dir zuhause.

Wir arbeiten mit vier Stellschrauben, die zusammengehören:

1 Dosis, also wie viel Kaffee ins Sieb kommt
2 Verhältnis, also wie viel Espresso in die Tasse läuft
3 Zeit, also wie lange der Bezug ungefähr dauert
4 Temperatur, also wie warm das Wasser ungefähr ist

Wenn du diese vier Dinge ruhig und Schritt für Schritt einstellst, bekommst du konstant besseren Espresso. Buon caffè.

1. Das Grundprinzip in ganz einfachen Worten

Stell dir vor, Wasser läuft durch ein Bett aus Kaffee.

Wenn das Wasser zu schnell durchläuft, nimmt es zu wenig Geschmack mit. Der Espresso wirkt oft dünn und spitz.
Wenn das Wasser zu langsam durchläuft, nimmt es zu viel mit. Der Espresso wirkt oft trocken und bitter.

Dein Ziel ist ein ruhiger, gleichmäßiger Bezug. Nicht perfekt, aber stabil.

2. Dosis: Wie viel Kaffee kommt ins Sieb

Dosis bedeutet einfach: Gramm Kaffee im Sieb.

Warum das wichtig ist
Mehr Kaffee macht den Puck dicker. Das bremst meist den Durchfluss.
Weniger Kaffee macht den Puck dünner. Das beschleunigt meist den Durchfluss.

Für Anfänger ist der wichtigste Tipp hier: Bleib erst einmal bei einer festen Dosis. Sonst jagst du drei Dinge gleichzeitig und wirst wahnsinnig.

Praktischer Startpunkt
Für viele Doppel Siebe sind 18 Gramm ein sehr guter Einstieg. Manche Siebe mögen 17, manche 20. Aber 18 ist ein schöner Anfang.

Mini Hinweis aus der Praxis
Wenn der Siebträger nach dem Bezug schwer abgeht und du den Puck oben matschig siehst, kann es zu viel Kaffee sein.
Wenn es trotz feinem Mahlgrad immer viel zu schnell läuft, kann es zu wenig Kaffee sein.

3. Verhältnis: Wie viel Espresso kommt in die Tasse

Hier wird es italienisch einfach. Du machst Espresso nicht nach Augenmaß, sondern nach Gramm in der Tasse.

Verhältnis bedeutet
Kaffee im Sieb zu Espresso in der Tasse.

Ein klassischer Start
18 Gramm Kaffee ins Sieb
36 Gramm Espresso in die Tasse

Das ist das berühmte doppelte in der Tasse. Ein sehr guter Start für viele Bohnen.

Wann du davon abweichst
Wenn dein Espresso sehr kräftig und kurz sein soll, stoppst du früher.
Wenn er runder und süßer werden soll, lässt du etwas länger laufen.

Drei praktische Varianten
1 Für Espresso klassisch
18 Gramm rein, 36 Gramm raus

2 Für sehr dicht, fast wie Ristretto
18 Gramm rein, 28 bis 32 Gramm raus

3 Für etwas länger und klarer
18 Gramm rein, 40 bis 45 Gramm raus

Das ist wichtig: Du musst nicht alles über den Mahlgrad lösen. Oft ist das Verhältnis der schnellste Weg, den Geschmack zu verschieben.

4. Zeit und Temperatur: So bekommst du den Feinschliff

Jetzt kommen die zwei Themen, die oft für Verwirrung sorgen. Ich mache es dir ganz einfach.

4.1 Zeit Was dir die Sekunden wirklich sagen

Viele nutzen als Startpunkt ungefähr 25 bis 30 Sekunden beim klassischen Verhältnis. Das ist kein Gesetz. Es ist einfach eine Orientierung, die bei sehr vielen Setups schnell funktioniert.

So nutzt du die Zeit richtig
Zeit ist nicht der Pokal. Zeit ist ein Hinweis.

Wenn du bei gleicher Dosis und gleichem Verhältnis plötzlich sehr viel schneller wirst, ist meist der Widerstand zu gering.
Wenn du plötzlich sehr viel langsamer wirst, ist meist der Widerstand zu hoch.

Grobe Orientierung für den Einstieg
Wenn du deutlich unter 20 Sekunden fertig bist, wirkt es oft spitz und dünn.
Wenn du deutlich über 35 Sekunden brauchst, wirkt es oft trocken und bitter.

Wichtig
Es gibt Ausnahmen, aber als Anfänger ist diese Orientierung Gold wert.

4.2 Temperatur Der kleine Regler für mehr Dolce Vita

Temperatur ist wie ein feiner Gewürz Dreh. Nicht wild drehen, sondern sanft.

Ein praktischer Bereich für Espresso liegt bei vielen Maschinen irgendwo um die niedrigen bis mittleren 90 Grad. Je nach Maschine wird das unterschiedlich angezeigt. Darum arbeiten wir hier mit Gefühl und kleinen Schritten.

So wirkt Temperatur in der Tasse
Wenn der Espresso trotz guter Zeit und gutem Verhältnis spitz bleibt, kann eine leicht höhere Temperatur helfen, mehr Süße und Rundheit zu bekommen.
Wenn der Espresso trotz guter Zeit und gutem Verhältnis trocken bitter wird, kann eine leicht niedrigere Temperatur helfen, das zu beruhigen.

Wie stark ändern
Ein bis zwei Grad reichen oft völlig. Dann wieder zwei Bezüge testen.

Wichtig
Wenn du Temperatur änderst, kann sich auch der Durchfluss verändern. Das ist normal. Dann brauchst du manchmal eine kleine Mahlgrad Korrektur.

4.3 Reihenfolge damit du nicht im Kreis läufst

Das ist mein Lieblings Tipp für Anfänger:

1 Zuerst den Mahlgrad so einstellen, dass der Bezug nicht völlig aus dem Ruder läuft
2 Dann das Verhältnis nutzen, um den Geschmack zu treffen
3 Dann erst Temperatur als Feinschliff

So weißt du immer, was gerade wirklich etwas verändert hat.

5. Der einfache Ablauf zum Einstellen

So machst du das ganz ruhig, wie ein Barista in der Bar, ohne Stress.

1 Dosis festlegen
Zum Beispiel 18 Gramm

2 Verhältnis festlegen
Zum Beispiel 36 Gramm in der Tasse

3 Mahlgrad einstellen
Ziel ist ungefähr der Bereich 25 bis 30 Sekunden als Start

4 Probieren und nur eine Sache ändern
Wenn spitz, dann etwas mehr in die Tasse oder minimal feiner
Wenn trocken bitter, dann etwas weniger in die Tasse oder minimal gröber

5 Wenn du fast da bist, nimm Temperatur für den Feinschliff
Ein bis zwei Grad hoch für mehr Süße
Ein bis zwei Grad runter für weniger Trockenheit

6. Fehlerdiagnose: Wenn es nicht passt

Hier kommt die einfache Küche Italiens. Wenige Zutaten, klarer Plan.

Fall 1 Es läuft zu schnell und schmeckt spitz
Stell den Mahlgrad feiner.
Prüfe ob du wirklich die gleiche Dosis benutzt.
Prüfe ob du sauber und gerade tampst.

Fall 2 Es läuft zu langsam und schmeckt trocken bitter
Stell den Mahlgrad gröber.
Prüfe ob du zu hoch dosierst.
Und stoppe zur Not etwas früher.

Fall 3 Die Zeit passt, aber der Geschmack nicht
Dann arbeite zuerst mit dem Verhältnis.
Mehr Gramm in der Tasse kann spitze Säure runder machen.
Weniger Gramm in der Tasse kann Bitterkeit beruhigen.
Danach kommt Temperatur.

Fall 4 Es schmeckt gleichzeitig bitter und spitz
Dann ist oft nicht das Rezept schuld, sondern die Verteilung im Sieb. Dazu kommt jetzt der wichtigste Teil.

7. Kanalbildung: Der heimliche Espresso Saboteur

Kanalbildung bedeutet: Das Wasser sucht sich kleine Tunnel im Kaffeepuck. Dann wird ein Teil zu stark extrahiert und ein anderer Teil zu wenig. Das Ergebnis kann gleichzeitig bitter und spitz sein. Und du drehst am Mahlgrad und es wird nicht stabil.

Woran du es oft erkennst
Der Bezug spritzt beim bodenlosen Siebträger
Der Fluss wirkt unruhig oder schief
Der Geschmack ist widersprüchlich

Die Basics, die fast immer helfen
Kaffeemehl gleichmäßig verteilen
Gerade tampen
Den Rand im Sieb sauber halten
Brühgruppe und Duschsieb sauber halten

WDT Nadeltechnik der große Helfer für Anfänger

Viele nennen es WDT. Ich nenne es Nadeltechnik. Du lockerst das Kaffeemehl mit feinen Nadeln im Sieb, damit Klümpchen verschwinden und die Dichte gleichmäßiger wird.

Warum das so gut hilft
Weil das Problem oft innen sitzt. Eine schöne Oberfläche reicht nicht, wenn es darunter ungleichmäßig ist.

So machst du es
Nach dem Mahlen direkt ins Sieb
Sanft bis zum Boden, ohne hektisch zu rühren
Dann Oberfläche kurz glatt machen
Dann tampen

Wenn du nur ein Zusatz Tool kaufen willst
Dann macht diese Nadeltechnik bei vielen Setups den größten Unterschied.

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Leveler oder Verteiler gut, aber nicht immer zuerst

Ein Leveler glättet vor allem die Oberfläche. Das hilft dabei, dass du gerade tampst und reproduzierbarer wirst.

Wichtig
Ein Leveler löst Klümpchen im Inneren nicht zuverlässig. Darum ist er oft die zweite Stufe, nicht die erste.

Wann es Sinn macht
Wenn du schon gut verteilst und einfach noch mehr Wiederholbarkeit willst
Wenn du häufig schief tampst
Wenn du nach der Nadeltechnik den letzten Feinschliff willst

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Leveling Tool ansehen

Brauchst du beides zusätzlich zum Tamper

Tamper ist Pflicht. Er verdichtet den Puck. Er verteilt nicht automatisch perfekt.

Die beste Kombi für Anfänger
Tamper plus Nadeltechnik

Wenn du maximale Wiederholbarkeit willst
Tamper plus Nadeltechnik plus Leveler
Reihenfolge: Nadeltechnik, kurz glätten, Leveler, tampen

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Barista Tools für gleichmäßige Extraktion

8. Röstgrad und wie du damit umgehst

Helle Röstungen
Wirken schneller spitz, wenn sie zu wenig extrahiert sind. Oft hilft etwas mehr Espresso in der Tasse oder eine leicht höhere Temperatur.

Dunkle Röstungen
Werden schneller trocken bitter, wenn du zu lange extrahierst. Oft hilft etwas weniger Espresso in der Tasse oder eine leicht niedrigere Temperatur.

9. Mini Routine für konstante Ergebnisse

Wenn du eine neue Bohne öffnest
Mach einen Einstell Bezug
Dann zwei kleine Korrekturen
Wenn es passt, schreib dir auf: Dosis, Espresso Gramm in der Tasse, Zeit, Temperatur

Und ein sehr italienischer Tipp
Mach es nicht kompliziert. Halte deine Basis gleich und ändere immer nur eine Sache. Dann wird Espresso zur Routine. Und zur Freude. Buona pausa.

10. Caffè Kurzcheck für zuhause

1 Dosis festlegen, zum Beispiel 18 Gramm
2 Verhältnis festlegen, zum Beispiel 36 Gramm in der Tasse
3 Zeit als Start ungefähr 25 bis 30 Sekunden
4 Wenn zu schnell und spitz, feiner mahlen
5 Wenn zu langsam und trocken bitter, gröber mahlen
6 Wenn Zeit passt aber Geschmack nicht, Verhältnis anpassen
7 Wenn du fast da bist, Temperatur in kleinen Schritten nutzen

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